Scope 1 und Scope 2 Emissionen für KMU erklärt
Was sind Scope 1 und Scope 2 Emissionen, warum ist Scope 3 nicht im VSME-Basismodul enthalten und wie misst ein typisches Schweizer KMU seine Treibhausgase? Einfach erklärt mit Praxisbeispielen.
Das GHG Protocol unterteilt Emissionen in Scope 1, 2 und 3. Für das VSME-Basismodul berichten Sie Scope 1 und Scope 2. Hier erfahren Sie, was das bedeutet und wie Sie die Berechnung durchführen.
Scope 1: Direkte Emissionen
Emissionen aus Quellen, die Ihr Unternehmen besitzt oder kontrolliert. Das sind die Brennstoffe, die Sie in Ihren Gebäuden oder Fahrzeugen verbrennen.
Gebäudeheizung
Die meisten Schweizer Gewerbebauten nutzen eine dieser Heizungen:
- Heizöl: 3.24 kg CO2e pro Liter (KBOB Ökobilanzdaten 2009/1:2022)
- Erdgas: 0.230 kg CO2e pro kWh (KBOB 2009/1:2022)
- Holzpellets: 0.035 kg CO2e pro kg (KBOB 2009/1:2022 — tief, weil biogenes CO2 ausgeschlossen ist)
Beispiel: Ein Bürogebäude mit 5'000 Litern Heizölverbrauch pro Jahr = 5'000 × 3.24 = 16'200 kg CO2e.
Wo Sie diese Daten finden: Ihre Heizölrechnungen zeigen den Jahresverbrauch. Für Erdgas zeigt die Rechnung Ihres Gasversorgers die kWh. Für Öl zeigt die Lieferantenrechnung die gelieferten Liter.
Firmenfahrzeuge
Aller Treibstoff, der in Fahrzeugen verbrannt wird, die das Unternehmen besitzt oder per Finanzleasing nutzt:
- Diesel: 3.24 kg CO2e pro Liter (KBOB 2009/1:2022)
- Benzin: 3.00 kg CO2e pro Liter (KBOB 2009/1:2022)
Beispiel: Zwei Firmenwagen mit total 4'000 L Diesel = 4'000 × 3.24 = 12'960 kg CO2e.
Wo Sie diese Daten finden: Tankkarten-Abrechnungen oder Spesenabrechnungen. Falls Mitarbeitende Privatfahrzeuge geschäftlich nutzen, ist dieser Treibstoff Scope 3 (im Basismodul nicht erforderlich).
Grauzonen für Schweizer KMU
- Leasing-Fahrzeuge: Finanzleasing = Scope 1 (Sie kontrollieren das Asset). Operating-Leasing = technisch Scope 3, aber für die VSME-Basismodul-Vereinfachung ist die Zuordnung zu Scope 1 akzeptierte Praxis.
- Kältemittelverluste: Wenn Ihr Betrieb gewerbliche Kühlung betreibt (Gastronomie, Detailhandel, Kühllager), sind Kältemittelverluste Scope 1. Die meisten bürobasierten KMU können dies ignorieren.
- Notstromaggregate: Diesel-Notstromaggregate sind Scope 1, aber für Schweizer KMU mit zuverlässiger Netzversorgung selten wesentlich.
Scope 2: Indirekte Emissionen
Emissionen aus eingekaufter Energie, die Ihr Unternehmen verbraucht, aber nicht selbst erzeugt.
Strom
- Schweizer Strommix: 0.125 kg CO2e pro kWh (KBOB 2009/1:2022)
Beispiel: 60'000 kWh = 60'000 × 0.125 = 7'500 kg CO2e.
Standortbasiert vs. marktbasiert: Der Faktor 0.125 ist der Schweizer Netzdurchschnitt (standortbasierte Methode). Wenn Ihr Unternehmen zertifizierten Ökostrom mit Herkunftsnachweisen bezieht, können Sie die marktbasierte Methode anwenden und einen tieferen Faktor melden — potenziell nahe null. Die Zertifikate müssen dokumentiert werden. QuickVSME unterstützt beide Methoden.
Fernwärme
Wenn Ihr Gebäude an ein Fernwärme-Netz angeschlossen ist, sind diese Emissionen Scope 2. Der Emissionsfaktor variiert je nach Anbieter und Wärmequelle (Kehrichtverbrennung, Gas, Biomasse). Kontaktieren Sie Ihren Anbieter für den spezifischen Faktor oder verwenden Sie den KBOB-Standardwert von ca. 0.150 kg CO2e/kWh.
Daten beschaffen: Ihre Fernwärme-Rechnung zeigt die verbrauchten kWh. Einige Anbieter (wie ERZ Zürich oder Services Industriels de Genève) publizieren ihren spezifischen Emissionsfaktor.
Wärmepumpen
Elektrische Wärmepumpen verbrauchen Strom (Scope 2). Sie erzeugen keine direkten Verbrennungsemissionen (kein Scope 1 Beitrag). Erfassen Sie den Stromverbrauch der Wärmepumpe in Ihrem Scope 2 Stromtotal.
Warum kein Scope 3 im VSME-Basismodul?
Scope 3 deckt Wertschöpfungsketten-Emissionen ab: Geschäftsreisen, Pendlerverkehr, eingekaufte Güter und Dienstleistungen, Abfallentsorgung und nachgelagerte Produktnutzung. Er ist aus dem VSME-Basismodul ausgeschlossen, weil:
- Er Daten von Dritten erfordert, die KMU oft nicht beschaffen können
- Die Berechnungsmethoden komplex, unsicher und ressourcenintensiv sind
- Das Verhältnismässigkeitsprinzip im VSME-Standard anerkennt, dass diese Belastung für kleine Unternehmen unverhältnismässig ist
- Der EU Value Chain Cap KMU explizit davor schützen wird, nach Scope 3 Daten gefragt zu werden
Das optionale Comprehensive Module (C1–C9) umfasst Scope 3 für KMU, die tiefer einsteigen wollen.
Typischer CO2-Fussabdruck eines Schweizer KMU
Ein bürobasiertes KMU mit 20 Mitarbeitenden könnte so aussehen:
| Quelle | Kategorie | Berechnung | Emissionen |
|---|---|---|---|
| Erdgasheizung | Scope 1 | 30'000 kWh × 0.230 | 6'900 kg CO2e |
| Firmenwagen (Diesel) | Scope 1 | 3'000 L × 3.24 | 9'720 kg CO2e |
| Strom | Scope 2 | 60'000 kWh × 0.125 | 7'500 kg CO2e |
| Total | 24'120 kg CO2e |
Bei CHF 5 Mio. Umsatz beträgt die THG-Intensität 24.12 / 5 = 4.82 tCO2e pro Million CHF.
Ein produzierendes KMU mit Fahrzeugflotte und heizintensivem Betrieb liegt typischerweise 3–5× höher.
Berechnen Sie Ihre Emissionen
QuickVSME berechnet Scope 1 und Scope 2 automatisch mit KBOB-Faktoren. Geben Sie Ihre Verbrauchsdaten ein und die Plattform erledigt den Rest. Starten Sie Ihre Deklaration.
Quellen
QuickVSME Team • Sustainability Experts