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LeitfädenVeröffentlicht am 23. März 20268 Min. Lesezeit

VSME-Standard einfach erklärt: Was Schweizer KMU wissen müssen

Der EFRAG VSME-Standard ist ein freiwilliger Rahmen für KMU-Nachhaltigkeitsberichte. Was er enthält, warum er relevant wird und was Sie als Schweizer KMU tun können.

Was ist der VSME-Standard?

VSME steht für Voluntary Standard for non-listed Small and Medium-sized Enterprises — ein freiwilliger Nachhaltigkeitsberichtsstandard, entwickelt von der EFRAG (European Financial Reporting Advisory Group).

Das Schlüsselwort ist freiwillig. Der VSME ist keine gesetzliche Pflicht für KMU. Er ist ein Werkzeug, das KMU nutzen können, wenn sie von Geschäftspartnern, Banken oder Investoren nach Nachhaltigkeitsdaten gefragt werden.

Die Europäische Kommission hat den VSME am 30. Juli 2025 als Empfehlung verabschiedet (Dokument C(2025) 4984) — nicht als Verordnung oder Richtlinie.

Warum wird der VSME für Schweizer KMU relevant?

Obwohl der VSME freiwillig ist, gibt es drei konkrete Gründe, warum er für Schweizer KMU zunehmend wichtig wird:

1. Lieferkettendruck von Grossunternehmen

Schweizer Grossunternehmen mit über 500 Mitarbeitenden sind seit 2024 gesetzlich verpflichtet, über Nachhaltigkeit zu berichten (Art. 964a OR). Dazu gehören auch Scope-3-Emissionen — also Emissionen in der gesamten Wertschöpfungskette. Das bedeutet: Grossunternehmen fragen ihre KMU-Zulieferer nach Daten.

2. Der EU-Wertschöpfungsketten-Deckel

Die EU plant einen sogenannten «Value Chain Cap» (erwartet als delegierter Rechtsakt im Juni 2026). Dieser legt fest, dass Grossunternehmen von ihren KMU-Zulieferern maximal die Informationen des VSME-Standards verlangen dürfen. Der VSME wird damit zur Obergrenze — und zum De-facto-Standard für Lieferkettendaten.

3. Banken und Investoren

Schweizer Banken berücksichtigen ESG-Kriterien zunehmend bei der Kreditvergabe. Ein VSME-Bericht zeigt proaktiv, dass ein KMU seine Umwelt- und Sozialauswirkungen kennt.

Was enthält der VSME Basic Module?

Das Basismodul umfasst rund 46 Datenpunkte in 11 Abschnitten (B1–B11):

| Abschnitt | Thema | Beispiele | |-----------|-------|----------| | B1 | Grundlagen | Firmenname, Umsatz, NACE-Code, Mitarbeiterzahl | | B2 | Richtlinien | Nachhaltigkeitspolitik vorhanden? Reduktionsziele? | | B3 | Energie & Treibhausgase | Stromverbrauch (kWh), Heizöl (L), Scope 1+2 Emissionen (tCO2e), THG-Intensität | | B4 | Umweltverschmutzung | PRTR-Meldepflicht | | B5 | Biodiversität | Standort in Schutzgebiet? | | B6 | Wasser | Wasserentnahme (m³) | | B7 | Abfall | Gesamtabfall, Recyclingquote, Sonderabfall | | B8 | Belegschaft | Mitarbeiterzahl, Geschlecht, Vertragsarten | | B9 | Arbeitsschutz | Arbeitsunfälle, Todesfälle | | B10 | Vergütung & Weiterbildung | Mindestlohn, GAV-Abdeckung, Weiterbildungsstunden | | B11 | Governance | Korruptionsverurteilungen, Bussen |

Davon sind 27 Datenpunkte zwingend, 15 bedingt («falls zutreffend»), und 4 freiwillig.

Wichtig: Scope-3-Emissionen sind im Basismodul nicht erforderlich. Diese werden erst im optionalen Comprehensive Module (C1–C9) abgefragt.

Was ist der Unterschied zum Comprehensive Module?

| | Basic Module | Comprehensive Module | |---|---|---| | Datenpunkte | ~46 | ~100 zusätzliche | | Scope-3-Emissionen | Nein | Ja | | Wesentlichkeitsanalyse | Nein | Ja | | Klimastrategie & -ziele | Nein | Ja | | Eigenständig nutzbar | Ja | Nein — benötigt Basismodul | | Für wen | Jedes KMU | KMU mit Investoren/Bankenkontakt |

Für die meisten Schweizer KMU reicht das Basismodul aus.

Wie ist die rechtliche Lage in der Schweiz?

Aktuell gültig (seit 2024)

Art. 964a OR verpflichtet Unternehmen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung, wenn sie alle drei Kriterien erfüllen:

  • 500+ Mitarbeitende
  • CHF 20 Mio. Bilanzsumme ODER CHF 40 Mio. Umsatz
  • Unternehmen von öffentlichem Interesse (börsenkotiert, Banken, Versicherungen)

Das betrifft rund 300 Unternehmen in der Schweiz. Die allermeisten KMU fallen nicht darunter.

Geplante Revision

Der Bundesrat hat im Juni 2024 eine Vernehmlassung eröffnet, um die Schwellenwerte zu senken:

  • 250+ Mitarbeitende
  • CHF 25 Mio. Bilanzsumme
  • CHF 50 Mio. Umsatz
  • Zwei von drei Kriterien müssen erfüllt sein

Das würde den Kreis auf rund 3'500 Unternehmen erweitern. Ein Entscheid des Bundesrats wird im Frühling 2026 erwartet — ein allfälliges Referendum ist möglich.

Keine Pflicht für KMU

Es gibt keine Schweizer Gesetzgebung, die KMU zur VSME-Berichterstattung verpflichtet. Wer freiwillig berichtet, tut dies aus geschäftlichen Gründen — nicht weil er muss.

Allerdings gilt seit 1. Januar 2025 Art. 3 Abs. 1 lit. x UWG: Unbelegte Umweltbehauptungen sind unlauterer Wettbewerb. Wenn ein KMU Klimaaussagen macht, muss es diese belegen können — ein VSME-Bericht kann dabei helfen.

Wie kann QuickVSME helfen?

QuickVSME ist ein Werkzeug, das den VSME Basic Module in einen geführten 4-Schritte-Assistenten übersetzt:

  1. Unternehmensdaten eingeben (Name, UID, Umsatz, Bilanzsumme)
  2. Umweltdaten eingeben (Energie, Wasser, Abfall) — mit Nachweisupload
  3. Sozialdaten eingeben (Mitarbeitende, Arbeitsschutz, Weiterbildung)
  4. PDF herunterladen — fertige Nachhaltigkeitsdeklaration in DE, EN, FR oder IT

Die THG-Berechnung basiert auf KBOB-Emissionsfaktoren (aktuell Version 8.02, 2009/1:2022).

Preis: CHF 49 pro Deklaration. Kein Abo.


Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Für verbindliche Auskünfte zur Berichterstattungspflicht Ihres Unternehmens konsultieren Sie bitte Ihre Revisionsstelle oder einen spezialisierten Berater.

Quellen: EFRAG VSME-Projekt, Empfehlung C(2025) 4984, Art. 964a OR, PwC Schweiz, MLL

QuickVSME TeamSustainability Experts

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