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EinblickeVeröffentlicht am 1. April 20266 Min. Lesezeit

VSME vs. vollständige ESRS: Der Unterschied für KMU

Volle ESRS mit über 1000 Datenpunkten oder das VSME-Basismodul mit rund 50? Wir vergleichen beide Standards und zeigen, warum das Verhältnismässigkeitsprinzip für KMU entscheidend ist.

Wenn es um europäische Nachhaltigkeitsberichterstattung geht, stehen zwei Standards im Raum: die vollständigen ESRS Standards (European Sustainability Reporting Standards) und der Voluntary SME Standard (VSME). Für KMU ist der Unterschied gewaltig.

Volle ESRS: Für Grossunternehmen konzipiert

Die ESRS umfassen 12 thematische Standards und fordern über 1000 Datenpunkte:

  • ESRS E1–E5: Umwelt (Klimawandel, Verschmutzung, Wasser, Biodiversität, Kreislaufwirtschaft)
  • ESRS S1–S4: Soziales (eigene Belegschaft, Wertschöpfungskette, Gemeinschaften, Verbraucher)
  • ESRS G1: Governance (Geschäftsgebaren)
  • ESRS 1–2: Übergreifende Standards (Grundlagen, Offenlegungen)

Das bedeutet: umfangreiche Doppelte Wesentlichkeitsanalyse, detaillierte quantitative Angaben, Übergangspläne, Zielwerte – und professionelle Beratung ist fast unumgänglich.

VSME-Basismodul: Verhältnismässig für KMU

Der EFRAG VSME Standard (formell verabschiedet als EC Recommendation 2025/1710 am 30. Juli 2025) wurde nach dem Verhältnismässigkeitsprinzip entwickelt. Das Basismodul umfasst rund 50 Datenpunkte in den gleichen drei Säulen:

  • Umwelt (B3–B7): Energie, Emissionen, Wasser, Abfall, Biodiversität
  • Soziales (B8–B10): Belegschaft, Arbeitssicherheit, Weiterbildung
  • Governance (B11–B12): Unternehmensführung, Antikorruption

Vergleich auf einen Blick

| Kriterium | Volle ESRS | VSME Basismodul | |---|---|---| | Datenpunkte | 1000+ | ~50 | | Standards | 12 thematische | 1 integrierter | | Wesentlichkeitsanalyse | Doppelte Wesentlichkeit (aufwändig) | Vereinfacht / nicht erforderlich | | Scope 3 Emissionen | Erforderlich | Nicht im Basismodul | | Übergangspläne | Erforderlich | Nicht erforderlich | | Zeitaufwand | Wochen bis Monate | Unter einer Stunde (mit QuickVSME) | | Kosten | CHF 10'000–100'000+ (Berater) | CHF 49 (QuickVSME) | | Zielgruppe | Grossunternehmen, kotierte Firmen | KMU | | Prüfungspflicht | Ja (Limited Assurance) | Nein |

Wer braucht was?

Volle ESRS: Unternehmen, die unter die CSRD fallen. Nach der Omnibus-I-Anpassung (in Kraft seit März 2026) gelten angehobene Schwellen: 1'000+ Mitarbeitende UND EUR 450 Mio.+ Nettoumsatz. Die Wellen 2 und 3 wurden um 2 Jahre verschoben.

VSME-Basismodul: Alle KMU, die:

  • von Geschäftspartnern nach Nachhaltigkeitsdaten gefragt werden
  • sich proaktiv positionieren wollen
  • eine verhältnismässige Berichterstattung anstreben
  • in Lieferketten von CSRD-pflichtigen Unternehmen eingebunden sind

Das Verhältnismässigkeitsprinzip

EFRAG hat den VSME-Standard explizit so gestaltet, dass KMU nicht mit den gleichen Anforderungen belastet werden wie Grosskonzerne. Das Prinzip: gleiche Themen, reduzierter Umfang, passend zu den Ressourcen von KMU.

Das bedeutet nicht weniger Qualität – sondern einen fokussierten Ansatz, der die wichtigsten Kennzahlen abdeckt, ohne KMU zu überfordern.

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Quellen

QuickVSME TeamSustainability Experts

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