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EinblickeVeröffentlicht am 15. November 20256 Min. Lesezeit

Trends in der Nachhaltigkeitsberichterstattung für Schweizer KMU

Was Schweizer KMU über die sich entwickelnden Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung wissen müssen und wie sie sich auf die sich ändernde regulatorische Landschaft vorbereiten können.

Die Nachhaltigkeitsberichterstattung für Schweizer KMU verändert sich rasant. Was 2024 noch freiwillig war, wird 2026 erwartet — und könnte bis 2028 verpflichtend werden. Hier erfahren Sie, was den Wandel antreibt und wie Sie sich vorbereiten.

Der CSRD-Welleneffekt

Die EU-Richtlinie zur Unternehmens-Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) betrifft direkt Grossunternehmen mit über 250 Mitarbeitenden. Doch ihre Auswirkungen kaskadieren die Lieferkette hinunter. Die CSRD verlangt von Grossunternehmen, über Scope 3 Emissionen zu berichten — das umfasst alles, was ihre Zulieferer produzieren, transportieren und liefern. Das bedeutet: Grossunternehmen versenden jetzt Nachhaltigkeitsfragebögen an ihre KMU-Zulieferer.

In der Schweiz verstärkt sich dieser Effekt, weil Schweizer Exporteure stark in den EU-Markt liefern. Ein Schweizer KMU, das Teile an einen deutschen Hersteller unter CSRD-Pflicht liefert, wird Datenanfragen erhalten. Die Frage ist nicht ob, sondern wann.

Wichtige regulatorische Meilensteine

DatumEreignisAuswirkung auf KMU
Jan 2024Schweizer Art. 964a OR in KraftUnternehmen mit 500+ Mitarbeitenden müssen berichten (inkl. Scope 3)
Jul 2025EFRAG VSME als EU-Empfehlung verabschiedetVSME wird zum Standardrahmenwerk für KMU-Nachhaltigkeitsdaten
Jun 2026EU Value Chain Cap (erwartet)Grossunternehmen dürfen von KMU-Zulieferern max. VSME-Daten verlangen
2026-2027Revision Art. 964a (in Vernehmlassung)Berichtsschwelle könnte auf 250 Mitarbeitende sinken, ~3'500 Unternehmen betroffen
2028CSRD vollständig in Kraft für alle EU-GrossunternehmenMaximaler Lieferkettendruck auf KMU-Zulieferer

Fünf Trends, die die KMU-Berichterstattung prägen

1. VSME als De-facto-Standard

Der EU Value Chain Cap wird die VSME-Datenpunkte zum Maximum machen, das Grossunternehmen von KMU-Zulieferern verlangen dürfen. Das verwandelt VSME von einem freiwilligen Rahmenwerk in den Industriestandard für Nachhaltigkeitsdaten in der Lieferkette. KMU, die jetzt eine VSME-Deklaration erstellen, haben eine fertige Antwort, wenn die Anfragen kommen.

2. Digitale und maschinenlesbare Berichterstattung

Der European Single Access Point (ESAP) wird Nachhaltigkeitsdaten europaweit zentralisieren. Zwar sind KMU-Daten nicht für ESAP vorgeschrieben, doch der Trend zu strukturierten, digitalen Berichten bedeutet, dass PDFs allein langfristig nicht mehr genügen dürften. EFRAGs XBRL-Taxonomie für VSME ist ein Signal, dass maschinenlesbare Formate kommen.

3. Sorgfaltspflichtgesetze in der Lieferkette

Mehrere Gesetze treiben Nachhaltigkeitsanforderungen in die Lieferketten:

  • Deutschland: Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) — Unternehmen mit 1'000+ Mitarbeitenden müssen Menschenrechts- und Umwelt-Sorgfaltspflichten bei Zulieferern sicherstellen
  • EU: Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CS3D) — breiterer Geltungsbereich, voraussichtlich ab 2027
  • Schweiz: Art. 964j–l OR — Sorgfaltspflichten bei Konfliktmineralien und Kinderarbeit

Jedes dieser Gesetze erzeugt Datenanfragen, die an KMU-Zulieferer weitergegeben werden.

4. Klimarisiko in der Kreditvergabe

Schweizer Finanzinstitute integrieren Klimarisiken in ihre Kreditentscheidungen. Die ESG-Richtlinien der Schweizerischen Bankiervereinigung und die FINMA-Rundschreiben zu Klimarisiken bedeuten, dass Banken KMU-Kreditnehmer zunehmend nach ihren Emissionen und Nachhaltigkeitspraktiken fragen. Eine VSME-Deklaration liefert eine standardisierte Antwort.

5. Greenwashing-Durchsetzung

Die EU Green Claims Directive (erwartet 2026) wird von Unternehmen verlangen, Nachhaltigkeitsaussagen mit verifizierten Daten zu belegen. KMU, die Umweltaussagen auf ihrer Website oder in Marketingmaterialien machen, werden Belege brauchen. Ein VSME-Bericht liefert diese Nachweisgrundlage.

Wie Sie sich vorbereiten

  1. Erstellen Sie jetzt Ihr VSME-Basismodul. Schaffen Sie eine Ausgangsbasis, bevor Berichterstattung erwartet oder verlangt wird.
  2. Systematisieren Sie die Datenerfassung. Richten Sie einen einfachen Prozess ein, um Energierechnungen, HR-Daten und Abfallrechnungen jährlich zu archivieren.
  3. Verstehen Sie Ihre Lieferketten-Exposition. Wenn Sie an EU-Unternehmen mit 250+ Mitarbeitenden liefern, rechnen Sie innerhalb von 12–18 Monaten mit Datenanfragen.
  4. Definieren Sie Verantwortlichkeiten. Jemand in Ihrem Unternehmen (Geschäftsleitung, CFO oder Betriebsleiter) sollte den Nachhaltigkeitsberichtsprozess verantworten.
  5. Bewahren Sie Nachweise auf. Laden Sie Rechnungen und Quelldokumente zusammen mit Ihrer Deklaration hoch, um audit-bereit zu sein.

Quellen

QuickVSME TeamSustainability Experts

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